Klartext
Innovativer Neustart ist gefragt!
Zur Person
Peter Erismann ist seit 2005 Präsident von Cinéville, dem Trägerverein des Kinos Kunstmuseum. Beruflich ist er als Kurator und Ausstellungsleiter an der Schweizerischen Nationalbibliothek tätig.
Vor 30 Jahren haben kluge Köpfe in Bern eine visionäre Entscheidung getroffen: Der Erweiterungsbau des Kunstmuseums Bern sollte auch ein Kino enthalten. Für die Verantwortlichen war es selbstverständlich, dass das bewegte Bild im Angebot des Museums seinen Platz bekommen sollte, und es war ihnen auch klar, welches Potenzial darin steckt. Das KMB wurde zum einzigen Kunstmuseum in der Schweiz, das ein eigenes Kino führt, und war damit in bester Gesellschaft mit Museen in Köln, Paris und New York. Das Kino im Kunstmuseum entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Ort für Filmbegeisterte, die eine Alternative zum vorherrschenden Mainstream suchten und auch zum Raum vertiefter Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen des Films als Kunstwerk.
Vor acht Jahren entschieden die Verantwortlichen des Hauses jedoch fatalerweise, dass das Betreiben eines Kinos nicht mehr zum «Kerngeschäft» gehöre, und nur dank dem Engagement der Filmszene und der Stadt Bern konnte eine Lösung für das Weiterbestehen gefunden werden.
Der Verein Cinéville betreibt nun seit gut sieben Jahren das Kino Kunstmuseum am bisherigen Standort. Und das mit Erfolg: Mit den drei Programmgefässen «Kunst und Film, Filmgeschichte und aktuelles Filmschaffen» erreichen wir von anfänglich 5000 Besuchenden mittlerweile über 10 000 Besuchende pro Jahr und erwirtschaften über 50 Prozent unserer Budgets durch eigene Mittel. Das Programm ist ambitioniert und orientiert sich an den Programmkinos in Basel und Zürich. Die Kooperation mit den anderen Programmkinos und vielen weiteren Institutionen in der Stadt trägt wesentlich zur Vielfalt des Angebots bei. Die Vermittlung hat einen zentralen Stellenwert.
Doch seit gut einem Jahr ist die Zukunft dieses Kinos wieder gefährdet. Wir sind zwischen zwei Fronten geraten. Das KMB möchte Raumreserven nutzen, will auf unsere Programme zu den Ausstellungen verzichten und nicht mehr dafür bezahlen. Das ist ein Skandal für ein Haus, das seinem Namen gerecht werden möchte. Der Gemeinderat ist paradoxerweise der Ansicht, dass aus diesem Grund die Unterstützung in der bisherigen Höhe nicht mehr gerechtfertig sei. Jedoch geht es aus unserer Sicht ohne angemessene öffentliche Unterstützung nicht, wenn wir den Auftrag (möglichweise auch an einem anderen Ort) erfüllen wollen. Durch die Kürzung würden wir zu einem reinen Reprisenkino herabgestuft. Darum sind wir beim städtischen Parlament aktiv geworden, das in diesen Tagen über die Rücknahme der Subventionskürzung entscheidet. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Die zuständige Kommission beantragt das Belassen der Unterstützung in der bisherigen Höhe.
Was würde dieses kulturpolitische Bekenntnis für die Zukunft ermöglichen? Wir möchten einen innovativen Neustart im Kulturzentrum Progr wagen und prüfen bis Ende Jahr, ob es von den Inhalten, der Organisation und von den Finanzen her zu bewerkstelligen ist. Unsere Vision ist ein starkes, nichtkommerzielles Programmkino mit öffentlichen Subventionen und gezielten Programmpartnerschaften in der Stadt und den Regionen des Kantons. Eine «Abspielstelle» für das einheimische und aktuelle Filmschaffen und verstärkt für Premieren von Filmen, die es gar nicht oder nur noch für kurze Zeit in die Arthousekinos schaffen. Selbstverständlich sollen die Geschichte und neue Tendenzen des Films in kuratierten Reihen weiterhin vermittelt und die Synergien im Bereich Kunst und Film innerhalb des Progr und anderer Kunstinstitutionen genutzt werden. Diese Kernaufgabe rechtfertigt auch die Unterstützung mit öffentlichen und privaten Geldern. Im Kontext des neuen Ortes wird ein grösseres, auch vermehrt jüngeres Publikum wieder stärker von «Film im Kino» fasziniert sein. Aber wir zählen auch weiterhin auf unser Stammpublikum, welches auch im Internet- und Handyzeitalter nicht gedenkt, auf das Gemeinschaftserlebnis im Kinosaal zu verzichten.
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