Klartext
In der Krise braucht es Kultur!
Zur Person
Veronica Schaller ist die Kultursekretärin der Stadt Bern. Seit 2008 leitet sie die städtische Abteilung Kulturelles.
Eine schlechte Nachricht jagt die andere: Die Aktienkurse stürzen ab, die Erwartungen an die Wirtschaftsentwicklung werden nach unten, jene an die Arbeitslosenzahlen nach oben korrigiert, Pensionskassen geraten in die Unterdeckung und drohen mit Leistungskürzungen, vom Euro-Tief profitieren nur die anderen, die USA verliert ihr Triple-A und steht neu auf gleicher Stufe wie Südkorea oder Neukaledonien – erfahrene Wirtschaftsspezialisten schütteln den Kopf und meinen resigniert, so etwas hätten sie in dreissig Jahren nie gesehen. Die Welt steckt in der Krise.
«Die Geschichte der Menschheit ist eine Vermehrung des Reichtums», hat Pierre-Yves Maillard, Staatsrat des Kantons Waadt, kürzlich in einem Zeitungsinterview gesagt, und weiter: «Mit Reichtum meine ich nicht nur Geld, Konsum und materielle Güter, sondern auch Zeit, die Kultur, die Bildung, das Leben in der Gemeinschaft …» Also sind wir reich, sehr reich sogar, denn in kaum einem anderen Land ist das kulturelle Angebot einer Stadt von 130 000 Einwohnerinnen und Einwohnern so gross und vielfältig wie hier in Bern.
Ich staune immer wieder und freue mich bei diesem Saisonstart besonders, zum Beispiel über die 80 000 grossen und kleinen Menschen, die ein wunderschönes Buskers-Festival genossen haben. Ich freue mich über die neue Kulturinstitution KonzertTheaterBern, die allen Unkenrufen zum Trotz seit dem 1. Juli die Aktivitäten von Musiktheater, Tanz, Schauspiel und Orchester übernommen hat und ihre Saison im September mit vielversprechenden Produktionen eröffnet. Und der es zudem gelungen ist, vakante Spitzenpositionen mit hervorragenden Persönlichkeiten zu besetzen. Ich freue mich über die Eröffnung der Cuno-Amiet-Ausstellung im Kunstmuseum, dessen Festsaal die grosse Zahl der Anwesenden gar nicht fassen konnte. Ich freue mich über die Burgergemeinde, die ihren diesjährigen Kunstpreis dem Kino Lichtspiel zugesprochen hat. Und ich freue mich über das Kino Lichtspiel, das mir mit seinem aus-serordentlichen Engagement immer wieder reiche Augenblicke schenkt. Ich freue mich auf das Musikfestival, auf «Tanz In.Bern», die Wunschmaschine im Schlachthaus, Jazz in den Vidmarhallen, die Saison der Camerata und und und.
Ich will Kultur in der Krise! Mehr Kultur, gerade in der Krise! Das ist eine kluge Investition, hier droht weder Börsencrash noch Euro-Tief und das Rating wird nicht von anonymen Firmen gemacht, sondern nur von uns selbst, den Besucherinnen und Besuchern.
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