Klartext
Bern braucht ein Schauspielhaus!
Zur Person
Der 39-jährige Berner Samuel Schwarz ist Theaterregisseur, Schauspieler und Autor.Mit Lukas Bärfuss und Udo Israel gründete er 1998 die Theatergruppe 400asa.
Für das subventionierte Stadttheater stehen in Bern insgesamt 37 Millionen Franken zur Verfügung. Damit muss man verantwortungsvoll umgehen. Dieses Geld in einen schweren und unflexiblen Vierspartenbetrieb mit kaufmännischem CEO zu stecken, ist purer Grössenwahnsinn, eine unmögliche Aufgabe – die auch jenen perfekten CEO, den sich der Stiftungsrat wünscht, völlig überfordern wird. Es braucht also eine andere Idee.
Bern ist Sitz des Parlamentes, Zentrum des Diskurses, der Intrige und der Debatte. Bern ist aber auch die Stadt der Lyriker, Literaten und der Dramatiker. Speziell auch die Stadt des Rock’n’Roll, der Songwriter, der Mischformen von Tanz und Musik und des Sprechtheaters. Fokussierung und Konzentration führen auch bei touristischen Strategien zum Erfolg, genauso wie der Gemischtwarenladen zum Misserfolg führt. Beim Theater ist das ähnlich, erst recht, wenn die Mittel knapp sind.
Falls die Fusion des Berner Symphonieorchesters mit dem Stadttheater scheitert, sollte man ein «Schauspielhaus» entwickeln, das die Funktion als theatrales Zentrum übernehmen und sich mit politisch-musikalischer Ausrichtung profilieren könnte. Mit seiner Oper kann sich Bern ganz sicher nicht profilieren. Das Stadttheater in Bern hat seit Jahren dann am meisten Erfolg, wenn es sich auf die literarisch-politische Tradition beruft oder sich mit dem Rock’n’Roll vereint. Dieser «Brand» ist zu schützen und auszubauen. Herzstück des subventionierten Theaters in Bern wäre das neu zu gründende «Schauspielhaus», für das eine perfekte Infrastruktur bereit stünde (Vidmarhallen und Stadttheater).
Die Arbeitsformen an diesem «Schauspielhaus» würden den modernen und flexibleren Arbeitsformen der freien Szene gleichen, die sich als viel erfolgreicher und effizienter erwiesen haben als die eingekrusteten und unmodernen Hierarchien mit CEO, Spartenleitern und klaren Befehlsketten. Die Künstler als Hauptressource des Theaters müssen von ihrer entwürdigenden Funktion als Befehlsempfänger befreit und in die Hierarchie des Betriebs eingebunden werden. Denn es sind die Theatergruppen und die Künstler, die am besten wissen, wie man ein Theater führt, und ganz sicher nicht die Kulturmanagerinnen und -manager.
Mit der Rubrik Klartext öffnet die Kulturagenda eine Plattform, auf der kulturpolitische Themen zur Diskussion gestellt werden. Die Verantwortung für den Inhalt liegt bei den Verfassern.
Alle Beiträge lesen





