Gute Nacht?
Meinungen zur Berner Clubszene (5)
Gute Nacht?
Wie sieht das gute Berner Nachtleben aus? Nachdem wir uns bei eher alternativen, kulturaffinen, nicht-ganz-so-kommerziell Orientierten umgehört haben, fragen wir auf der anderen Seite nach. Die Bernerin Carol Fernandez legt in Clubs wie Le Ciel, Du Théatre oder Liquid auf. Im Kornhauskeller und -café organisiert sie einmal pro Jahr die Kornhausparty, die es trotz der Diskussionen ums Kornhausforum weiterhin geben wird.
Bisher sind Gespräche erschienen mit Fabian Wyssbrod (25.1.), Christian Pauli (1.2.), Sozialgeograf Christian Reutlinger (8.2.) und Etienne Schönberger (15.2.).
Carol Fernandez, wie nehmen Sie die Diskussionen über das Berner Nachtleben wahr?
Ich nehme die Diskussion sehr ernst, denn mich als DJ betrifft es durchaus!
Sie legen in der ganzen Schweiz und auch im Ausland auf. Wie sind die Unterschiede?
Das Berner Partyvolk ist eher introvertiert und konservativ. In anderen Städten herrscht schon ein wenig mehr Action. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen. Man sagt, in Zürich werde mehr Kokain konsumiert, dadurch seien die Leute auch aufgestellter. Schon im grenznahen Ausland sind die Unterschiede in Sachen Ausgelassenheit noch stärker zu spüren.
Sie legen in eher kommerziellen Berner Clubs auf. Nehmen Sie einen Wandel im Berner Nachtleben wahr?
Manchmal hab ich das Gefühl, Bern sei ausgestorben. Man kann nicht sagen, dass nichts läuft. Aber die Leute gehen so früh nach Hause, besonders in der Donnerstagnacht. Ob das jetzt mit der Finanzkrise zu tun hat oder damit, dass die Leute einfach keinen Bock mehr haben, ist schwer zu sagen. Vielleicht trifft beides zu. Das Nachtleben hat sich stark gewandelt. Das Partyvolk ist viel, viel jünger geworden, und zum Teil betrinkt sich die Jugend masslos. Ich finde das unakzeptabel, erst recht den Drogenkonsum. Es es gibt immer mehr immer jüngere Kokainkonsumenten. Das ist traurig.
Stichwort «Clubsterben»: Ist das Berner Nachtleben gefährdet?
Mir scheint nicht, dass es zu wenige Lokale gibt. Womöglich besteht dieses Problem bei den nichtkommerziellen Clubs, aber bei den House-Clubs, in denen ich auflege, besteht eher die Gefahr eines Überangebots. Mir sind wenige, volle Lokale lieber als viele halbleere Tanzflächen.
Was halten Sie von der Diskussion über die Lärmgrenzwerte in den Discos? Sind die Behörden zu restriktiv?
Der Lärm in der Disco ist jedes Mal ein Thema. Es gibt Gesetze und Richtlinien und daran muss man sich halten, sonst kommt man wortwörtlich an die Kasse. Ich selber habe die Tendenz, zu laut zu spielen. Aber wenn zu laute Musik den Ohren schadet, ist es mir lieber, wenn eher kleinlich hingeschaut wird, als gar nicht. Denn auf einen Tinnitus hat niemand Bock.
Wie viel Lärm soll man Anwohnern zumuten?
Ich habe Verständnis für die lärmgeplagten Anwohner, denn ich bin die Erste, die Ruhe braucht, wenn ich schlafen will. Diese Frage muss mit gesundem Menschenverstand diskutiert werden. Anwohner, die sich aber auf ihr Ruhebedürfnis fixieren und sich in etwas reinsteigern, kann ich nicht ausstehen. Die sollten umziehen, statt anderen das Leben schwer zu machen. Wie gesagt: Die Innenstadt wirkt öfters wie ausgestorben, deshalb sollte hier rund um die Uhr was laufen. Ein gewisses Mass an Lärm muss drinliegen.
Interview: Michael Feller
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