Gute Nacht?
Meinungen zur Berner Clubszene (2)
Gute Nacht?
Nach der Schliessung des Sous Soul, dem (herausgezögerten) Ende des Wasserwerks und nach dem Hin und Her um die Kornhausforum-Partys fragen wir: Wie weiter mit dem Berner Nachtleben? Wir haben bei Bekult-Präsident Christian Pauli nachgefragt.
Nach dem vermeintlichen Aus der Kornhausforum-Partys wegen Fumoir-Auflagen kam letzte Woche Entwarnung: Nun muss also doch kein Fumoir eingebaut werden. Eine erfreuliche Entwicklung?
Man kann es als positives Zeichen werten, dass bei den Behörden etwas Bewegung ins Spiel gekommen ist. Aber das ist nur ein Detail. Hier geht es um eine grundsätzlichere Angelegenheit.
Worum geht es denn?
Die Stadt ist in den letzten Jahren mit einem Phänomen konfrontiert. Nämlich mit einem grossen Ausgehbedürfnis Jugendlicher und Junggebliebener, wobei sich dies immer mehr in die Nacht hineinerstreckt und eine grosse Menge Leute in die Stadt bringt. Der Gemeinderat hat noch nicht begriffen, welche Dimension es angenommen hat und welcher gesellschaftliche Wandel sich darin manifestiert.
Bis jetzt hat sich von den Gemeinderäten einzig der Sicherheitsdirektor Reto Nause in die Diskussion eingemischt.
Nauses Aussagen zeigen, wie technokratisch das Problem angegangen wird. Er spricht von 107 Clubs. Damit will er sagen, das Angebot sei gross und darum kulturell gesehen kein Problem. Ein Irrtum: Man kann nicht 107 Clubs von der Aufreissbar bis zum Altstadt-Subkulturkeller über einen Kamm schlagen.
Bekult hat das Thema Nachtleben letzte Woche besprochen. Wie ist ihre Haltung?
Wir nehmen dieses Thema ernst. Wir werden mit dem Komitee Pro Nachtleben Bern zusammensitzen, um gemeinsame Aktivitäten zu diskutieren. Wir haben festgestellt, dass es nicht mehr nur um Sous Soul und Wasserwerk geht, sondern dass breiter und politischer diskutiert wird. Das ist zu begrüssen.
«Wir nehmen das Thema ernst» – so richtig Fleisch am Knochen hat das nicht.
Unser Engagement ist nicht 100 Prozent, weil sich unsere Mitglieder nicht zu 100 Prozent für das Thema interessieren. Das hat auch damit zu tun, dass die Clubs bei Bekult etwas marginal vertreten sind. Aber die Einsicht ist da, dass es eine Frage ist, die mit der Kulturstadt Bern zu tun hat, und darum beschäftigen wir uns auch damit.
Was halten Sie von Partymeilen, also von Sonderzonen für die Clubkultur?
Ich finde es fragwürdig, wenn man die Massen irgendwo abfüttert und das Nachtleben sicherheitsmässig hygienisch einwandfrei einrichtet, damit es nirgends Probleme gibt. Eine Stadt ist per se ein Mix verschiedener Bedürfnisse, und die müssen verhandelt werden.
Anwohner pochen aber verständlicherweise auf ihr Recht auf Ruhe. Schlaflose sind hartnäckig.
Die Kampagne «Figg di Frou Müller» ist vulgär formuliert. Aber sie trifft das Problem auf den Punkt. Warum soll die Altstadt den Besserverdienenden überlassen werden? In der Berner Altstadt treffen nun einmal – im Gegensatz zu einem Sonnenhang in Muri – verschiedene Bedürfnisse aufeinander.
Das Prinzip «Wer sich an etwas stört, soll wegziehen» ist aber nicht gerade der gute Umgangston an einem Ort der verschiedenen Bedürfnisse.
Letztlich gilt es immer die Bedürfnisse abzuwägen. Wenn aber jemand neben einem bestehenden Club einzieht, sich beschwert und damit den Club in die Knie zwingen kann, erfolgte die Abwägung nicht gerade optimal.
Interview: Michael Feller
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